Läufer mit Train.red Sensor am Oberschenkel während eines LaufsFoto: Train.red
TA Höhenluft · Blog

Objektive Zahlen statt Bauchgefühl

Simon Zink · Oktober 2026 · 11 Min Lesezeit

Ohne Leistungsdiagnostik in regelmäßigen Abständen bleibt jede Trainingsplanung eine Vermutung. Mit ihr lässt sich bestimmen, was besser wurde, was schlechter wurde und was unverändert blieb — und welches Training dafür verantwortlich war. Das ist der Feedback-Loop, mit dem bei TA Höhenluft trainiert wird.

Ohne Messung nur Vermutung

Ein Trainingsplan ohne feste Testpunkte ist ein Ratespiel. Welche Einheit hat wirklich etwas bewirkt? Welche war Zeitverschwendung? Ohne Vergleichswerte vor und nach einem Trainingsblock lässt sich das nicht beantworten — nur vermuten.

Mit Leistungsdiagnostiken vor und nach einem Block wird daraus Messbarkeit. Die Veränderung einer Schwelle, der VO₂max oder der Ausnutzung dieser Werte zeigt exakt, worauf der Körper in diesem Zeitraum reagiert hat. Darauf lässt sich der nächste Block aufbauen.

Dieses Prinzip ist der Kern der Leistungsdiagnostik bei TA: nicht ein einzelner Test, sondern eine Testreihe über die gesamte Saison — ein Feedback-Loop, der die Trainingssteuerung mit jedem Datenpunkt präziser macht.

Der Testzyklus bei TA

Klassisch ist eine Leistungsdiagnostik ein Stufenprotokoll bis zur Ausbelastung. Im fortgeschrittenen Trainingsalltag funktioniert aber auch ein bewusst intensiv gestaltetes Training, das gezielt über die normale Belastungsvorgabe hinausgeht, als Test — es bestimmt Schwellen und Trainingsstand gleichermaßen, ohne eine separate Ausbelastungseinheit zu benötigen.

Bei TA läuft das über den Train.red Sensor — zuhause, im gewohnten Trainingsumfeld, ohne Labor und ohne Anreise. Derselbe Sensor begleitet danach auch die einzelnen Einheiten zwischen den Tests.

Was eine Diagnostik liefert: aerobe und anaerobe Schwelle, VO₂max-Ausnutzung, aktueller Trainingsstand. Was der Feedback-Loop daraus macht: eine Trainingsentscheidung, die auf diese Person und diesen Körper zugeschnitten ist — nicht auf eine Formel.

SmO₂-Kurve im Stufentest mit Breakpoint 1 und Breakpoint 2 — Train.red Auswertung
SmO₂-Verlauf im Stufentest: BP1 markiert die aerobe, BP2 die anaerobe Schwelle — Grundlage für die Trainingszonen.

Mein Testverlauf vorm Rennen

In meiner Vorbereitung auf das Race Across Austria habe ich genau dieses Prinzip an mir selbst angewendet. Ausgangstest im September, Zwischentest im Februar, Abschlusstest im Juli — jeweils mit klarer Fragestellung an das vorangegangene Trainingsziel. Nach jedem einzelnen Trainingsblock habe ich eine Diagnostik im Training durchgeführt, mit unterschiedlichen Protokollen.

Von September bis Februar stieg meine VT1-Ausnutzung von 69 auf 75 Prozent, die VT2-Ausnutzung von 83 auf 89 Prozent, während die VO₂max selbst um 10 Prozent zulegte. Bis Juli kletterten beide Schwellenwerte weiter auf 79 und 92 Prozent — bei einer VO₂max, die wieder auf Ausgangsniveau lag. Genau das war das Ziel: nicht ein immer größerer Motor, sondern ein immer besser nutzbarer.

Die volle Blockstruktur mit allen Zwischenwerten steht im Artikel zur Trainingsperiodisierung →. Hier geht es um das Prinzip dahinter: Ohne diese drei Testpunkte hätte ich die Reihenfolge der Blöcke nicht mit Daten absichern können — nur mit Gefühl.

Live-Steuerung in der Einheit

Neben der Makro-Ebene der Diagnostik gibt es die Mikro-Ebene: die einzelne Einheit. Auch hier läuft der Trainred-Sensor mit — vergleichbar mit einem Laktatmessgerät, aber ohne Pause und ohne Blutentnahme.

Über SmO₂ (Muskelsauerstoffsättigung) lässt sich live auf Radcomputer oder Uhr ablesen, ob eine Einheit noch in der vorgegebenen Intensität liegt. Weicht der Wert ab, wird direkt während der Einheit nachjustiert — Intensität rauf oder runter, je nach Zielsetzung.

Nach der Einheit lädt der Sensor die Daten automatisch zu TrainingPeaks hoch, zusammen mit Leistung, Puls und den übrigen Werten. Dort werden sie nicht nur im Mittelwert betrachtet, sondern Intervall für Intervall analysiert — das zeigt, wo genau eine Einheit funktioniert hat und wo nicht, als Grundlage für das Feedback zur nächsten Einheit.

Grundlageneinheiten im Blick behalten

In meiner Vorbereitung habe ich bei praktisch jeder Ausdauereinheit den Train.red Sensor mit Brustgurt getragen — fester Bestandteil der Trainingsroutine. Bei lockeren Einheiten war das Ziel klar: die Muskelsauerstoffsättigung durchgehend auf hohem bis sehr hohem Niveau stabil halten.

Sank sie leicht ab, war die Reaktion sofort eindeutig: Leistung raus, noch lockerer fahren. Ohne diesen Live-Wert hätte ich mich auf Herzfrequenz oder Gefühl verlassen müssen — beide reagieren langsamer und weniger präzise auf eine beginnende Verschiebung der Intensität.

Erholung über die Herzfrequenz

Langfristig habe ich den Sensor zusätzlich zur Erholungssteuerung genutzt. Bei Ermüdung sinkt die Herzfrequenz bei gegebener Leistung — ein bekanntes Phänomen im Monitoring von Trainingsbelastung, beschrieben als parasympathische Sättigung (Buchheit, 2014). Feste Herzfrequenz-Zonen sind in diesem Zustand nicht mehr korrekt.

An Tagen mit niedriger Herzfrequenz lag für mich die naheliegende Interpretation nahe: mehr Spielraum im Grundlagenbereich. Der Train.red Sensor hat dem regelmäßig widersprochen — die Ermüdung war ebenso erfasst, die SmO₂-Werte lagen niedriger. Die Konsequenz blieb immer gleich: weniger Gas, weniger Leistung.

Taper und Rennstart

Im Tapering vor dem Race Across Austria kehrte sich das Bild um. Ich bin mit deutlich überdurchschnittlicher Herzfrequenz ins Rennen gestartet — bei gegebener Leistung rund 15 Schläge über meiner Norm.

Die erste Reaktion war Sorge: Aufregung, Nervosität, ein Anzeichen für ein Problem? Der Blick auf die Muskelsauerstoffsättigung zeigte etwas anderes — durchgehend im grünen Bereich. Die erhöhte Herzfrequenz kam aus psychologischen Faktoren und aus der sehr ausgeprägten Erholung der Taperwoche, nicht aus einer Belastung des Systems.

Im weiteren Rennverlauf hielt ich meine Trainingszone trotz der erhöhten Herzfrequenz konsequent ein und bin bis zum Ende souverän durchgefahren. Nach einigen Stunden Belastung normalisierte sich die Herzfrequenz von selbst. Ohne SmO₂ als zweite, unabhängige Messgröße hätte ich an diesem Punkt möglicherweise das Tempo unnötig gedrosselt.

Zwei Kreisläufe, ein System

Die Leistungsdiagnostik auf Makro-Ebene zeigt, ob ein ganzer Trainingsblock gewirkt hat. Der Trainred-Sensor auf Mikro-Ebene zeigt, ob eine einzelne Einheit gerade richtig läuft. Beide zusammen ersetzen das Rätselraten durch einen durchgehenden Feedback-Loop.

Vorgehen wird im Vorhinein geplant und nach Bedarf angepasst. Mithilfe objektiver Daten neben dem subjektiven Gefühl können live Anpassungen vorgenommen werden, um das Training in Echtzeit abzustimmen.

Häufig gefragt

Wie oft sollte ich eine Leistungsdiagnostik machen?

Nach jedem abgeschlossenen Trainingsblock, bei TA meist alle 8–12 Wochen. Im fortgeschrittenen Training genügt dafür auch ein bewusst intensiv gestaltetes Training statt einer separaten Ausbelastungseinheit.

Was ist der Unterschied zwischen Leistungsdiagnostik und Live-Trainingssteuerung?

Die Leistungsdiagnostik ist die Makro-Ebene: eine Momentaufnahme des Trainingsstands vor und nach einem Block. Die Live-Steuerung über den Trainred-Sensor ist die Mikro-Ebene: die Anpassung innerhalb einer einzelnen Einheit.

Brauche ich für den Trainred-Sensor ein Labor?

Nein. Die Diagnostik läuft zuhause am eigenen Ergometer oder Rad, der Sensor wird selbst angelegt und die Auswertung erfolgt remote — ohne Anreise und ohne Blutentnahme.

Ersetzt SmO₂ die Herzfrequenz als Trainingsgröße?

Nein, sie ergänzt sie. Besonders bei Ermüdung oder im Taper verschieben sich Herzfrequenzwerte bei gegebener Leistung — SmO₂ liefert in diesen Phasen die zweite, unabhängige Messgröße.

Weitere Fragen rund um Höhentraining und Trainingssteuerung: FAQ →

Dein Feedback-Loop

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